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100 Jahre Sozialverband Deutschland

          1 0 0 Jahre

                                        SoVD

                                                                                          

                                                           Sozialverband

                                                            Deutschland

 

 

Der Sozialverband wurde am 23.05.1917 inmitten des ersten Weltkriegs als Bund der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten in Berlin gegründet. In nie gewesenem Ausmaß beherrschten Verwundung und Tod den Kriegsalltag. Gleichzeitig beherrschte eine soziale Ungleichheit den Lebensalltag der Menschen. Bereits nach 5 Jahren hatten sich 830000 Mitglieder im Verband organisiert. Sie traten nicht nur für eine umfassende Versorgung der Opfer des 1. Weltkrieges, sondern insgesamt für den Aufbau einer sozialen und solidarischen Gesetzgebung ein. Schon bald nimmt daher der Sozialverband Einfluss auf die Sozialgesetzgebung. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten löste sich der Verband im April 1933 auf.

Nur wenige Monate nach Kriegsende nehmen die ersten Ortsverbände ihre Arbeit für „Kriegsbeschädigte, Sozialrentner und Hinterbliebene“ wieder auf.

Im November 1946, nachdem die Vorbehalte der Besatzungsmächte gegen Kriegsopferorganisationen ausgeräumt waren, wurde der Sozialverband Reichsbund in Hamburg neu ins Leben gerufen um die sozialpolitische Arbeit wieder aufzunehmen. Aus Gründen der Tradition und der Identifikation wurde der Name Reichsbund beibehalten. Dieser legte 1949 dem Bundestag einen Gesetzentwurf über die Versorgung der Kriegsopfer vor und somit trat am

01. Oktober 1950 das Bundesversorgungsgesetz in Kraft.

Nachdem der Sozialverband Reichsbund jahrelang die Angleichung der Renten aus der Sozialversicherung an das veränderte Lohn- und Preisgefüge gefordert hatte, wurden wesentliche Teile mit dem Bundesversicherungs-Neuregelungsgesetz vom 01.Januar 1957 erfüllt. Zwischen 1950 und 1969 wurden Leistungsverbesserungen für Kriegsopfer erreicht. Am 01. Juni 1962 trat das Bundessozialhilfegesetz in Kraft. Weiterhin wurden auf Initiative des Sozialverbandes Reichsbund mehrere Gesetze beschlossen, z. B. Anpassungsgesetz, Kriegsopferversorgung,Rehabilitationsangleichungsgesetz

Ein großer sozialpolitischer Erfolg des Sozialverbund Reichsbund war die Verabschiedung des Schwerbehindertengesetzes am 25. Januar 1974.

Auf Initiative des Sozialverbandes Reichsbund wird 1978 eine flexible Altersgrenze für Schwerbehinderte eingeführt, nach der dieser Personenkreis bereits mit Vollendung des 60. Lebensjahres Altersruhegeld beziehen kann.

Die stufenweise Anerkennung von Kindererziehungszeiten wird durch das Kindererziehungsleistungsgesetz vom 01. Oktober 1987 erreicht. Auch die Verabschiedung des Pflege-Versicherungsgesetz (SGB XI) ist letztlich ein Erfolg des Sozialverbandes Reichsbund. Bereits anfangs des Jahres 1990 , noch vor der Wiedervereinigung, wurde damit begonnen, den Wiederaufbau des Sozialverbandes Reichsbund in Ostdeutschland einzuleiten. Dieser war nach Kriegsende in der ehemaligen DDR nicht zugelassen. Zum 01. Januar 1991 wurde das Bundesversorgungsgesetz auch auf die neuen Bundesländer übertragen. Auch dies ist ein Verdienst des Sozialverbandes Reichsbund. Am 07. Oktober 1999 erfolgte  die Umbenennung in Sozialverband Deutschland e.V.

Zum 100 jährigen Jubiläum hat der Sozialverband Deutschland

10 sozialpolitische Thesen aufgestellt.

1 Gesundheitspolitik: Armut macht krank und 

                                          Krankheit macht arm

2.Frauenpolitik: Vollbeschäftigte Frauen verdienen 21

                                Prozent weniger Gehalt als Männer

3.Rentenpolitik: Viele Menschen werden im Alter arm

                                sein

4.Pflegepolitik: Pflegebedürftigkeit macht arm

5.Arbeitsmarktpolitik: Die soziale Sicherheit bei Arbeits-

                                            losigkeit reicht nicht aus

6. Europapolitik: Die wirtschaftlichen Ungleichgewichte

                                 in Europa führen zu sozialen Unfrieden

7. Jugendpolitik: Das Verbot einer Zusammenarbeit von

                                 Bund und Ländern in der Bildungs-

                                 politik verhindert gemeinsames Ler-

                                 nen von Kindern mit und ohne Behin-

                                 derungen

8. Behindertenpolitik: Ohne konsequente Barriere-

                                           freiheit werden Menschen mit

                                           Behinderungen immer benach-

                                           teiligt bleiben

9. Sozialstaat: Einkommen und Vermögen in Deutsch-

                            land sind ungerecht verteilt

10.Mindestsicherung: Die Regelsätze der Grund-

                                          sicherung festigen die Armut im

                                          reichen Deutschland