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Armutsschatten

26.09.2021

                                                                    

                                     Sozialverband Deutschland

                                  Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

                                    Kreisverband Schleswig-Flensburg

                                               Ortsverband Haddeby                              

 

                                  Wie groß ist ihr Armutsschatten?

 

In Deutschland waren im Jahr 2019 15 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht. Das sind rund 13 Millionen Menschen. Die Armutsgefährdung findet in der Mitte der Gesellschaft statt. Wenn Sie meinen, dass betrifft Sie nicht, ist dies ein gefährlicher Trugschluss. Oft folgt der Armutsschatten ein Leben lang und wird dann unerwartet mit der Rente sichtbar. Fast jede*r kann betroffen sein.

Nur wenigen gelingt es, ein Leben ohne Angst vor Verarmung zu leben.  Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Dass dies so ist, ist Folge einer Politik, die Armutsrisiken seit Jahrzehnten ignoriert oder sogar wissentlich in Kauf nimmt.  Wer Arbeit hat, sollte eigentlich nicht von Armut betroffen sein. In Deutschland ist es trotzdem leider oft der Fall. Denn mehr als 20 Prozent der Erwerbstätigen sind in Teilzeit, befristet oder als Leiharbeiter angestellt. Oder aber sie haben einen Minijob. Auch wer Arbeit hat, ist nicht vor Altersarmut geschützt. Der Sozialverband macht sich daher stark für: der Niedriglohnsektor mit Leiharbeit, Werksverträgen und geringfügiger Beschäftigung muss eingedämmt werden. Geringfügige Beschäftigung und Beschäftigung in Minijobs müssen voll sozialversicherungspflichtig werden. Der gesetzliche Mindestlohn muss auf mindestens 13 Euro angehoben werden. Tarifverträge müssen wieder die Regel werden sowie die Dauer des Leistungsbezugs von Arbeitslosengeld 1 muss ausgeweitet werden.

Kinderarmut ist in erster Linie Eltern- und Familienarmut. Hiervon sind ca. 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren betroffen. Besonders betroffen sind Alleinerziehende und Familien mit mehr als 3 Kindern. Für Kinder bedeutet Familienarmut, dass auch sie direkt von Armut betroffen sind. Es fehlt vielfach an Geld um ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen, oder den Kauf einer Fahrkarte um Verwandte zu besuchen. Auch die Teilnahme an einer Klassenfahrt ist oft nicht möglich. Der Sozialverband macht sich daher stark für: Hartz-IV-Regelsätze müssen so bemessen sein, dass sie den Bedarf von Kindern und Jugendlichen decken. Auch die Armut der Frauen hat viele Gesichter. Oft liegt es darin begründet, dass sie Kinder erziehen oder Angehörige pflegen. Auch arbeiten Frauen dreimal häufiger in Teilzeit als Männer. Verglichen mit den Männern sind Frauen während ihres Lebens doppelt so lange ohne bezahlte Arbeit. Dementsprechend fallen ihre Rentenansprüche gering aus. Daher fordert der Sozialverband: Umsetzung von gleichem Lohn für gleiche Arbeit, typische Frauenberufe müssen aufgewertet werden sowie Rahmenbedingungen schaffen, um die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf bzw. Familie und Beruf zu ermöglichen. Auch Pflege darf kein Armutsrisiko sein. Gute Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Sie muss so finanziert werden, dass sie für pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen kein Armutsrisiko darstellt. Die geplanten Zuschüsse schützen dabei nicht vor steigenden Eigenanteilen. Der Sozialverband macht sich dafür stark, dass perspektivisch die Pflegeversicherung zu einer Bürgerversicherung ausgebaut wird und das Pflegeleistungen analog dem Elterngeld konsequent anerkannt werden. Die Armutsgefährdung im Alter ist nach wie vor steigend. Deshalb müssen hier dringend Maßnahmen getroffen werden. Die Grundrente ist hier nur der erste Schritt. Dafür macht sich auch hier der Sozialverband stark und zwar: Gestaffelte Freibeträge beim Bezug von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Auch muss sich ändern, dass Bezieher von Erwerbsminderungsrenten auf Zeit nicht mehr von der Grundsicherung ausgeschlossen werden. Die Rente muss wieder den Lebensstandard im Alter sicherstellen. Dazu ist das Rentenniveau auf 53 Prozent anzuheben. Die Regelaltersgrenze darf nicht angehoben werden und der SoVD fordert die Einführung einer Erwerbstätigenversicherung, in die alle Erwerbstätigen einzahlen. Auch gutes Wohnen muss bezahlbar und barrierefrei sein. Die Mietpreisentwicklung hat die soziale Spaltung in den vergangenen Jahren noch vertieft. Daher sind die Mieten für Menschen mit mittleren und geringem Einkommen zu einem Armutsrisiko geworden. Die Forderung des Sozialverbandes lautet daher: die Versorgung mit angemessenem, barrierefreiem und bezahlbarem Wohnraum ist staatliche Daseinsvorsorge, Ausbau des sozialen Wohnungsbaus , Mietpreissteigerungen bei hohen Mieten sinnvoll einschränken, z. B. durch eine wirksamere Mietpreisbremse sowie ein umfangreiches Angebot an barrierefreiem Wohnraum. Auch Menschen mit Behinderung tragen ein höheres Armutsrisiko als Menschen ohne Behinderung.

Außerdem sind sie häufig doppelt so lange arbeitslos und das auch länger. Sie verdienen oft weniger, haben aber einen höheren finanziellen Aufwand, um ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sicherzustellen. Auch hier macht sich der Sozialverband stark und zwar: die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung muss für Unternehmen auf 6 Prozent erhöht werden, die Ausgleichsabgabe für unbesetzte Pflichtarbeitsplätze im Unternehmen muss verdoppelt werden, die betriebliche Ausbildungsmöglichkeit für junge behinderte Menschen muss verbessert werden. Auch müssen bessere Angebote zur Information, Vermittlung und Begleitung bei der Arbeitsplatzsuche und am Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung geschaffen werden.

Werden auch Sie Mitglied im SoVD-Ortsverband Haddeby. Alles Wichtige zur Mitgliedschaft und weitere Informationen zum Sozialverband erhalten Sie bei den Vorsitzenden Walter Kollhorst, Jagel (Tel. 04624-8735), Ernst-August Fürst, Busdorf (Tel. 04621-31052) und Marina Meyer, Selk (Tel. 04621-301974).